Ein weiter Weg an die Musikhochschule München
- 13. Apr.
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Aktualisiert: 16. Apr.
Unsere Stiftung fördert Studierende an der Hochschule für Musik und Theater München mit dem Stipendium Offene Chancen. Von unseren Stipendiaten der letzten Jahre gab es hier immer wieder kleine Portraits. Aus dem Studienjahr 25/26 stellt sich Earl vor, ein Studierender im Fach „Violine (künstlerisch-pädagogisch)“. Er kommt aus dem Bundesstaat Tamil-Nadu in Südindien und nahm einen außergewöhnlichen Weg an die Musikhochschule in München.
Mein Name ist Earl
Ich komme aus einem Land, in dem europäische klassische Musik kaum verankert ist. Aufgrund des christlichen Hintergrunds meiner Familie kam ich jedoch schon früh mit protestantischer Kirchenmusik in Berührung. In unserer Gemeinde war es üblich einfache Choräle auf der Geige zu begleiten und so begann ich, Geige zu lernen.
Ich wollte unbedingt weiterlernen und habe mir das Geigespielen erst einmal weitgehend selbst, also autodidaktisch und im Fernstudium beigebracht. Erst mit 16 Jahren fand ich meine erste Geigenlehrerin - sie wohnte 5 Stunden entfernt. Das bedeutete, dass ich einmal im Monat die rund 300 Kilometer von Erode nach Bengaluru fahren musste, immer mit Unterstützung meiner Familie - trotz unserer angespannten finanziellen Lage. Es fiel mir zunehmend schwer, Schule und Musik miteinander zu vereinbaren. Schließlich erlaubte mir meine Familie, mich von der Schule abzumelden, ich arbeitete im Selbststudium weiter und erreichte mit einem Programm des Open Schooling die indische Hochschulreife.
Parallel dazu sammelte ich wertvolle Erfahrungen als Geiger in verschiedenen Projektorchestern wie dem India National Youth Orchestra, dem Bangalore City Chamber Orchestra, dem Con Brio Festival Orchestra und dem South Asian Symphony Orchestra.
Andere Musiker gaben mir wertvolle Hinweise, zum Beispiel die Geigerin Sanya Cotta. Sie empfahl mir, meine Ausbildung in Deutschland fortzusetzen.
Tatsächlich bin ich dieser Empfehlung gefolgt, und kam mit 19 Jahren nach Deutschland. Hier führte mich mein Weg an Berufsfachschulen für Musik in Bayern, wo ich die Ausbildung zum Ensembleleiter Violine absolvierte, von dort weiter zur Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg. Während des Studiums nahm ich an Kammermusikprojekten teil - vor allem im Streichquartett und Klaviertrio – und übernahm Stimmführungspositionen im Hochschulorchester und Projektorchestern.
Nach sechs Semestern bestand ich die Aufnahmeprüfung an der HMTM, wo ich seit 2024 zunächst bei Prof. Sonja Korkeala und später bei Prof. Ingolf Turban sowie Frau Anna Sophie Dauenhauer studiere. Mein Bachelorstudium möchte ich im September abschließen.
Ich arbeite seit einigen Jahren auch an Musikschulen, und die Arbeit mit Kindern liegt mir sehr am Herzen. Langfristig möchte ich gern Bildungsprojekte initiieren, die eine musikalische Brücke zwischen Indien und Deutschland schlagen.
Mein Motto: Keep challenging yourself and rejoice in doing so!
Das Stipendium Offene Chancen ist gedacht für Studierende mit Flucht- oder Migrationsgeschichte in ihrem Abschlussjahr. Ende April/Anfang Mai 2026 wird das Stipendium Offene Chancen für das Studienjahr 2026 /27 wieder ausgeschrieben!

Foto: privat


Earl habe ich persönlich kennengelernt. Ich bin begeistert von seiner Liebe zur Geige und seiner Bereitschaft dafür grosse Opfer zu bringen. Earl hat sich bemüht gut Deutsch zu lernen. Er ist ein gutes Beispiel von gelungener Migration und Liebe für seine zweites Heimatland Deutschland. Ich wünsche Earl viel Erfolg ! Antoine van den Assem, Vizepräsident VFA